Atlas zur Entwicklung der Psychiatrie
[14] Ideler, K. W.: Biographieen Geisteskrankerin ihrer psychologischen Entwicklung. Berlin: H. Schroeder 1841, XVI + 222 Seiten + 10 lithographische Tafeln + 1 gefaltete lithographische Tafel, Erstdruck. Die 11 Porträts psychiatrischer Patienten wurden von dem Bildnismaler, anatomischen Zeichner und Lithographen Carl Resener (THIEME-BECKER XXVIII, S. 182) gefertigt.
In der Vorrede postuliert Ideler, dass geistiges Leben nicht den Naturgesetzen unterliege. Besonnenheit könne daher die Gemütskräfte zügeln. Ungestümes Begehren bei fehlender Selbstbeherrschung „muß entweder die Phantasie zum Erdichten einer ihr entsprechenden Weltvorstellung bestimmen, um in ihr eine erträumte Befriedigung zu erfinden (fixer Wahn); oder sie treibt das empörte Gemüth zum wilden Kampf gegen die verhaßte Wirklichkeit an (Tobsucht); oder sie erfüllt dasselbe mit tiefster Traurigkeit aus dem Gefühl einer unmöglichen Befriedigung (Melancholie); oder sie zerrüttet endlich die Seelenkräfte durch ein allzu naturwidriges Verhältnis, und bringt dadurch die Verwirrtheit hervor.“ (S. X)
Eine konstitutionelle Disposition „bei der [patho]genetischen Deutung des Wahnsinns“ hält Ideler für gegeben: „Die Seele ist aber in sofern Entwicklungsgesetzen wie das organische Leben untergeordnet, als jede ihrer Erscheinungen vorbereitet, d. h. in einer Anlage begründet ist, welche nur des äußeren Impulses bedarf, um hervorzutreten.“ (S. 154)
Wahnsinn definiert Ideler als dass Gegenstück zur Besonnenheit. In der Besonnenheit halten sich „Liebe, Ehre, Frömmigkeit u. s. w.“ die Waage. Im Wahnsinn dagegen bleibe die Seele „gänzlich dem Zwange Eines Gefühls, Einer Neigung unterworfen.“ (S. 155)